IG Modell-Truck-Trial

05. September 2010
Voll Kraz das Teil PDF Drucken E-Mail
  

 

 

Der Text ist erschienen in der TRUCKmodell 05/2006  (von Franz Bremer)  

Als Schlossermeister und Bruder eines Modellbauers hat man es manchmal nicht leicht.Ständig wird man mit Ideen konfrontiert, die man dann in die Tat umsetzen soll. Und bei solch einer Umsetzung wird man dann auch noch mit dem Modellbauvirus infiziert.So auch in diesem Fall.  Angefangen hat alles seinerzeit mit einem geschwungenen Rahmen für einen Unimog. Weil ich gerade dabei war habe ich direkt zwei erstellt und mir auch einen Unimog gebaut. Der war und ist seit dem mit entsprechenden Modifikationen im Einsatz. Im Herbst 2004 kam mein Bruder mal wieder mit einer neuen Idee zu mir.

 

Rohbau frisch gespachtelt

Schneckenachsen sollten es sein und Zeichnungen lieferte er auch direkt mit. (siehe Bericht TM 01/06) Und wenn wir schon einmal dabei waren, fielen auch Achsen für mich ab. Ein Fahrzeug war da noch nicht in Sicht. Die Achsen erwiesen sich als stabil und zuverlässig in Arnds FAUN. Somit konnte ein größeres Vorbild herhalten. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Achsen und der Wunsch nach einem Langschnauzer gaben die erste Richtung vor. Zudem sollte er was darstellen. Bei einem Benzingespräch mit Hermann Popp über die Tatsache, dass doch sehr viele Unimog beim Trial in Sinsheim antreten versprach er mir ein Buch zukommen zu lassen. Inhalt des Buches: Pipelinebau in Russland. In diesem Buch war mein Truck beschrieben;  der KrAZ 255b. Der Bericht über den Rohrleitungsbau hat mich an meine Tage bei der Rheinbraun (heute RWE POWER) im Tagebau Garzweiler erinnert. Hier war ich selbst im Rohrleitungsbau tätig. 

KRAZ und FAUN

Das Vorbild war somit gefunden. Der Kraz 255b ist im Original eine imposante Erscheinung. Mit 280cm Fahrzeugbreite ist er ein sehr seltener Vertreter auf Deutschlands Strassen. Entstanden ist der 255 aus dem 214, der größte Unterschied findet sich in der stärkeren Bereifung. Beide Modelle wurden von der ehemals russischen, heute ukrainischen LKW-Manufaktur KrAZ (Krementschuker Automobilwerk) vorwiegend für das Militär gebaut. Aber auch bei der Gas- und Ölförderung (wie erwähnt)  fanden die Fahrzeuge ihren Einsatzort. Die heute in Deutschland befindlichen Fahrzeuge stammen aus Beständen der NVA. Bei Vereinen und vereinzelt bei Abschleppfirmen haben diese Fahrzeuge eine zweite Heimat gefunden.So finden sich im World Wide Web ausreichend Bilder und Zeichnungen, die als Vorlage für das Modell dienen können, wenn auch viele Beschreibungen in kyrillischen Buchstaben geschrieben sind. Eine Detailzeichnung wurde auf den gewünschten Maßstab vergrößert  und bildete somit die Grundlage für das Projekt.    Bei der Konstruktion des Modells wollte ich das Rad nicht neu erfinden. Als Rahmen wurden Aluwinkel aus dem Baumarkt genommen. Unter diesen Rahmen wurden die bereits genannten Schneckenachsen mit Blattfedern vorne und Pendelfederung hinten montiert. Die Lenkung erfolgt über ein im Hilfsrahmen montiertes Hitecs HS805B Servo.Somit können keine Lenkeinflüsse beim Ein- und Ausfedern die Fahrrichtung des 255 beirren. Als Antrieb kommt, mal wieder, ein Akkuschrauber mit Zweiganggetriebe zum Einsatz. Diese Planetengetriebe haben sich nun vielfach bewährt und sind preiswert in jedem Baumarkt zu erhalten. (aber da erzähl ich ja nichts neuesJ)

Pendelachse hinten Überhaupt ähnelt der Rahmen doch stark dem Rahmen des FAUN L908SA. Zwei gravierende Unterschiede weisen die beiden Modelle jedoch auf. Der KrAZ ist vom Maßstab mit 1:14 doch zwei Nummern kleiner. Jedoch überragt er den Faun doch um gut 12cm. 63cm Gesamtlänge sprechen nun nicht unbedingt für ein Fahrzeug, was bei einem Modell-Truck-Trial um Siege mitfahren soll. Aber das will ich eigentlich auch nicht. Ich wollte ein Fahrzeug was auffällt und den Besuchern im Gedächtnis bleibt. Beim Fahrgestell wurde somit Bewehrtes kopiert. Beim Auf bau wollte ich jedoch andere Wege gehen. Viele Leser wird es verwundern, warum gerade ein Schlossermeister auf den Werkstoff Holz gekommen ist. Holz lässt sich weitaus einfacher verarbeiten und ist stabiler als mansch einer denken mag. Wichtigstes Werkzeug bei der Bearbeitung des Flugzeugsperrholzes war meine Proxxon Kreissäge KS230. Bei der überwiegend kantigen Form des KrAZ konnten die einzelnen Teile sehr schnell und präzise zugeschnitten werden. Mit schnell trocknendem Leim wurden die Teile verklebt. Die gerundeten Kotflügel wurden ganz frech aus dem Vollen gefräst. Auch wenn die erst beim zweiten Versuch meinen Vorstellungen entsprachen. Die letzten Unebenheiten im Holz wurden mit Spachtelmasse verfüllt und anschließend geschliffen. Eigentlich schade, dass der Werkstoff unter dem Finish verschwindet. Die Dachkonstruktion für die Pritsche stellte ein Problem dar. Meine Löteinheit wurde einfach nicht heiß genug um die 4mm Messingstangen fest mit einander zu verbinden. Also musste ich zu einem Trick greifen. Die hölzernen Längsstreben der Planenkonstruktion wurden mit Ponal an den Messingstangen verklebt. Bis zum endgültigen Aushärten des Holzleimes wurden die Verbindungen mit Kabelbinder fixiert. KRAZ in Camp4Fun

Seltsamer Weise hält das ganze. Als Plane wurde schwarzer Stoff genutzt. Die Ränder wurden eingeschlagen und verklebt. Ein mit eingeklebter Hosengummi hält das ganze stramm über dem Rahmen. Mattschwarz angesprüht und fertig ist die Plane.  Eine Plane zu nähen kam mir nun wirklich nicht in den Sinn. So gerüstet ging es zu später zu Testfahrten. Es zeigte sich schnell, dass der Schwerpunkt zu weit nach oben wanderte. Somit landete die Konstruktion wieder auf dem Müll. Eine einfache Plane aus Stoff bildet nun den Abschluss für die Pritsche. Manchmal sind die einfachen Sachen auch die Besten.So ganz konnte ich meine berufliche Herkunft bei den Feinheiten der Karosserie nicht verleugnen. Tanks und sonstige Anbauteile wurden aus Aluminium gefertigt. Hier durfte ich auf die fachliche Hilfe meiner Kollegen zurückgreifen. Auch wenn ich die Bemerkungen von Michel hier nicht wiederholen kann; es lesen auch Jugendliche mit, geholfen haben Kai, Stefan und Jochen immer. Die vier sind an Ihren Maschinen ein eingespieltes Team.    

Reservekanister

 Die Aluparts wurden nicht lackiert und bilden so den Kontrast zum Graugrün (RAL 6006) der Karosserie. Noch in der Rohbauphase wurde der Fahrregler montiert. Der Servonaut T20 wurde mir nicht zuletzt von meinem Bruder empfohlen. Bremse, Anfahrhilfe und als kleines Schmankerl Brems- und Fahrlicht sprachen für diesen Regler. So ganz nebenbei wird der Regler komplett in Schleswig-Holstein gefertigt, was auch positiv auffiel.Der KrAZ war somit fahrfertig und konnte ersten Tests unterzogen werden. Ein Treffen in Mönchengladbach beim Sonntagsstammtisch sollte die Kinderkrankheiten aufzeigen. Wie zu erwarten fanden sich auch Kleinigkeiten Beim Fahren über die hauseigene Indoorstrecke kippte die hinterste Achse aus den Federschuhen der Blattfedern, das Schiebestück der Kardanwelle fiel raus und beendete somit den Antrieb der Achse. Der hohe Schwerpunkt war ebenfalls zu bemängeln. Positiv fiel bei diesem Test der relativ kleine Wendekreis des 255b auf, der des Faun war nur ca. 2 cm kleiner.  Die Indoorstrecke landete kurz entschlossen im Kofferraum, so dass ich auch unter der Woche weiter testen konnte. Bis Sinsheim waren nur noch drei Wochen. Nachdem die ersten Kinderkrankheiten behoben worden waren, verliefen die Trockentests zufrieden stellend. Nach dem Lackieren konnte ich ihm mal die Breitseite geben. Ich wollte ja wissen, ob alles hält, damit beim Wettbewerb kein böses Erwachen folgt. Ein schöner Schotterhaufen am Rhein war das Ziel.

Ausfahrt am Rhein Nur nicht zimperlich sein war die Devise. Es folgte die Strafe auf dem Fuße, das Verteilergetriebe drehte plötzlich leer….Ich hatte schon so ein Bauchgefühl beim Zusammenbau gehabt.  Wieder im Keller wurde das Getriebe geöffnet. Die Bohrungen in der Welle wurden etwas tiefer ausgeführt und eine längere Madenschraube wurde mit Lack gesichert.  So gerüstet konnte der erste Wettbewerb kommen. Sinsheim kam und alles verlief zu meiner Zufriedenheit. Das Fahrzeug wurde eingeschaltet, gefahren und wieder weggestellt. So hatte ich mir das vorgestellt. Sinsheim ohne Schrauben hat auch was für sich. Die Reaktion der Zuschauer und insbesondere der Ostdeutschen Teilnehmer war mehr als positiv. Die Älteren konnten sich an den KrAZ aus ihrer Zeit bei der NVA erinnern und gaben die ein oder anderen Geschichten zum besten. Es zeigte sich aber auch, dass der 255b für einen Wettbewerb, wie vermutet, zu lang sein würde, egal. Die nächste Evolutionsstufe ist schon in Planung. Der KrAZ wird auf Luftbereifung umgerüstet werden. Traktion und Lenkverhalten sollten sich dadurch verbessern. Denn es gibt immer was zu tun im Modellbau, Stillstand bringt kein weiterkommen.Der eingangs genannte Unimog soll jetzt auch an der Evolutionsstufe teilhaben, aber davon später.

 
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