IG Modell-Truck-Trial

05. September 2010
AX10 von Robitronics PDF Drucken E-Mail
  

Ready, steady, crawle

 

Der AX10 Scorpion von dem amerikanischen Hersteller axial ist bereits in der Szene bestens bekannt. Nun bringen die Kalifornier, über ihren Vertriebspartner Robitronics, den AX10 in einer RTR (Ready to Run) Version auf den deutschen Markt.Für unter 300€ ist diese fahrfertige Version eine echte Kampfansage. Lediglich ein 7,2V Racepack für das Fahrzeug und 8 x AA Batterien für die Pistolensteuerung müssen eingelegt werden, dann geht es los.

 

Wir wollen sehen ob der Skorpion sticht. Frisch aus der Verpackung

Der Transportkäfig des Skorpions ist ein solider Karton, der durch die transparenten Kunststoffe einen direkten Blick auf das Objekt der Begierde zulässt. Es zeigt sich eine fertig mehrfarbig, überwiegend hellgrün, lackierte Karosserie. Eine designtechnisch klare Abgrenzung des RTR zum Bausatzmodell. Die Lackierung des RTR kann mich nicht überzeugen, die vorgeschlagene giftgrüne Farbgestaltung des Bausatzes wirkt passender, weil aggressiver. Ein Skorpion ist nun mal kein Kuscheltier.

Beim Öffnen des Kartons könnte man annehmen ein Skorpion sei in dem Karton verendet. Es stinkt aus dem Karton. Ich habe bei schönem Wetter im freien gesessen und der Geruch war wirklich störend. Selbst Stunden später wurde der Geruch noch als nicht angenehm empfunden. Die Reifen sind hier der Grund des Übels. Also schläft der Skorpion in der Garage, dort stört es niemanden. Vorsicht auch mit der Lagerung des leeren Transportkartons. Dieser hat den Geruch auch aufgenommen und dünstet auch aus.

Vor der ersten Testfahrt ist eine erste technische Durchsicht angesagt. Recht filigran kommt der Crawler daher. Gerade mal 1588 g (Werksangabe) bringt der 4x4 auf die Waage. Dazu gesellen sich noch ein paar Gramm für den Fahrakku. Kein Gramm zu viel auf den Rippen. Auch die Gewichtsverteilung ist vorbildlich. Hängt man den AX10 mittig unter dem Getriebe auf, so kippt er ganz leicht nach vorne. Bei dieser guten Ausgangsbasis bleibt dem Fortgeschrittenen genug Spielraum, das Chassis nach seinen Wünschen zu trimmen.

Die weitere Durchsicht zeigt viel Kunststoff. Besonders auffällig die, vor der Achse montierte, Lenkstange. Biegsame  Spurstange01Diese verbiegt sich unter Druck bis zur Achse. Dieses Verbiegen zieht eine gewisse Änderung der Lenkgeometrie mit sich, da sich der Abstand zwischen den Achsschenkeln verkürzt. Auch bei Druck von außen auf ein Rad verbiegt sich die Spurstange, dann in die andere Richtung von der Achse weg. Nicht sehr spurtreu diese Konstruktion. Durch die Montage der Lenkstange vor der Achse ist die Lenkgeometrie nicht ganz korrekt. Die Verlängerung der Achsschenkel sollte sich optimaler Weise im Mittelpunkt der Hinterachse treffen. Dies ist bei einer Montage vor der Vorderachse hier nicht gegeben. Der Lenkeinschlag der beiden Vorderräder ist somit nicht optimal. Ich bevorzuge den Einbau des Lenkgestänges hinter der Vorderachse aus einem weiteren Grund. Hier liegt das Gestänge geschützt und kann sich seltener verhaken.

Den zähen Spezial-Verbundstoff des Lenkgestänges benutzen die Kalifornier bei den unteren Längslenkern ebenfalls. Auch diese lassen sich unter Druck verbiegen. Was ebenfalls zu Veränderungen in der Spur führt. Bei der weiteren Inspektion findet sich der Verbundstoff auch an den oberen Dreieckslenkern. Hier jedoch formstabil gepresst. So kann sich die Achse um den jeweiligen Endpunkt des Aufhängungsdreiecks bewegen. Und das tun die Achsen. Verschränkung bis der Arzt kommt. biegsame Spurstange02Man kann die Achsen bis zu 90° zu einander verdrehen. Dabei liegt das untere Rad flach auf seiner Flanke. In der Praxis wird man so eine Verschränkung nur selten sehen. Auch funktioniert dieser Extremtest nur ohne Lexankarosserie. Neben dem vielen Kunststoff findet sich auch Aluminium. Die beiden 2,5 mm dicken Seitenteile des Zentralchassis sind aus Aluminium und ähneln einem auf dem Rücken liegenden Halbmond. Dieser Halbmond hat auch die Gene eines Schweizer Käses. Auch hier hat der Gewichtsteufel zugeschlagen oder besser geschnitten. Es ist nur das nötigste übrigen gelassen worden, so dass alle Teile ihren Platz finden. Tief im Bauch liegen Motor und Verteilergetriebe einträchtig nebeneinander. 87zu20Dies hält den Schwerpunkt erfreulich tief. Negativ fällt auf, dass die Verbindung dieser beiden Komponenten ohne jeden Schutz auskommen muss. Ein Sandkorn genügt und die Zähne laufen weit weniger geschmeidig.

Die Kardanwellen, als Verbindung zwischen Verteilergetriebe und Achsen, ist konsequent auch aus hochzähem Verbundstoff gefertigt. Die Kalifornier setzen überall auf Leichtbau.

Natürlich setzt sich dieser Trend an den Achsen fort. Im Gegensatz zum Baukasten lässt sich die Hinterachse hier nicht einfach als Lenkachse umbauen. Hier werden die optionalen Achsschenkel zur Umrüstung benötigt. Die Aufnahmepunkte für den Lenkservo sind jedoch bereits vorhanden.

Genug der Technikdurchsicht. So ein Skorpion gehört in die freie Wildbahn. Die achtbeinigen Namensgeber leben bevorzugt in sandigen und steinigen Gegenden.

Doch bevor es nun endlich ins Gelände geht noch ein kleiner Falltest. Die ausgewogene Gewichtsverteilung fordert einfach dazu heraus. Nach anfänglichem Zögern und steigern der Fallhöhe habe ich den AX10 schließlich aus gut zwei Metern Höhe fallen lassen. Ergebnis: er landet katzengleich sicher auf den vier Gummipfoten. Cralwcat wäre also auch ein passender Namen für den Kraxler.

Die ersten Testfahrten fanden im heimischen Garten und der hauseigenen Trialstrecke statt. Beides für den Crawler kein Problem. Es zeigte Jumpsich hier bereits die erste Eigenart des AX10. Beim Anfahren und in schnellen Rechtskurven hebt sich das vordere rechte Rad. Hier zeigen sich die Drehmomenteinflüsse des Antriebsstranges. Kreiselt man länger um einen Punkt führt das zum seitlichen Überschlag. In Linkskurven sind die Kurvengeschwindigkeiten entsprechend höher. Hier wirft den Skorpion so schnell nix um. Es zeigt sich jedoch eine Schwäche. Die Leistung des montierten 27 Turns Motors ist hier schnell ausgereizt. Nach wenigen Testrunden wird der Ruf nach mehr Leistung laut. Die ist schnell montiert in Form eines entsprechenden Motors mit mehr Drehzahl. Die Standardübersetzung 87:20  wurde hier nicht verändert. Dann lernt der Skorpion das Fliegen. Was mit dem Standardmotor im Ansatz funktionierte geht jetzt richtig gut. Wheelies, Jumps und andere spektakuläre Aktionen sind die wahre Freude. Durch die gute Gewichtsverteilung und das breite Fahrwerk (254 mm) kommt der 4x4 auch meistens wieder ordentlich auf die Räder. Sollte es mal anders kommen ist es auch zu verkraften, da durch das geringe Gewicht, die Kräfte auch gering sind und somit kein Schaden angerichtet werden kann.K800_Wheely02

Aber eigentlich hört der Kalifornier dem Namen nach in die Felsen. Schließlich ist RockCrawling das eigentliche Ziel. Also den schnellen Motor wieder raus und den 27T Motor wieder rein. Bei dieser Aktion wird direkt das kleinere Motorritzel mit 14 Zähnen montiert. Somit erhält der AX10 mehr Kraft, da sich das Untersetzungsverhältnis auf 6,2:1 ändert. Dazu wird noch die Vorderachse mit dem mitgelieferten Bauteil gesperrt. Hierfür muss die Vorderachse komplett demontiert werden. Die vier Schrauben von vorne werden gelöst, dann der Servo demontiert um an die darunter liegende Schraube zu gelangen. Dazu noch die Achsschenkelhalter entfernt und schon liegt das gut gefettete Kegelrad mit dem Differentialkäfig Tellerrad und Sperreinsatzvor einem. Erfreulich alle Kugellager, die einem entgegenkommen sind gekapselt. Gut zu wissen, denn auch im Achsgehäuse hatte sich bereits Sand verirrt. Zum Sperren des Differentials müssen nur noch die vier Metallkegelräder aus ihrem Käfig befreit werden. An ihren Platz kommt nun das mitgelieferte Bauteil. Alles in Allem eine recht aufwändige Prozedur zum Sperren eines Differentials. So was hat man auch schon leichter gesehen. Der Schraubbolzen am Tamiya F-350 ist hier vorbildlich. Am Scorpion ist der Umbau auf starren Durchtrieb eine Entscheidung, die man für länger trifft. Das Sperren geht leicht von der Hand ist jedoch recht zeitaufwändig.

Zum schweren Einsatz im felsigen Gelände empfiehlt Axion eine weitere Tuningmaßnahme. Die Schaumstoffeinlage der „Rock Lizards“ 2.2 Spezialreifen soll sternförmig beschnitten werden. beschnitte  EinlageDieses Tuning ist auch eine endgültige Entscheidung. Einmal beschnitten ist der Schaumstoff irreparabel verändert. Sei es drum. Um an den Schaustoff zu gelangen müssen pro Felge jeweils 12 Schrauben M2 gelöst werden. Dann können die Badlockringe entfernt werden und der Gummi lässt sich von den „Rockster Beadlocks“ ziehen. Trotz längeren Lüften der Reifen,  das Öffnen des Kartons ist über eine Woche her, riechen die Reifen immer noch streng. Mit einer Haushaltsschere wurden in jede Einlage sechs Kerben geschnitten. Die seitliche Führung wird so nur geringfügig verschlechtert, dafür steht der Reifen jetzt satter auf.

So gerüstet geht es in schwierigstes Gelände. Das erste Testgelände besteht aus einer gut 3 m hohen Natursteintreppe auf dem nahe gelegenen Spielplatz. Eigentlich ist diese Treppe nicht fahrbar. Auf den einzelnen Absätzen findet der Kalifornier hauchdünn  Platz. Trotzdem oder gerade deshalb wurde diese Location als Teststrecke gewählt. Am Anfang tun sich Fahrer und I am the King of the RockFahrzeug noch recht schwer. Die richtige Spur in diesem Gelände muss erst gefunden werden. „….Der AX10 SCORPION gibt niemals auf“ titelt die Werbung auf www.robbitronics.com. Nicht Aufgeben ist jedoch nicht gleichzusetzen mit bewältigen. Um es vorweg zu nehmen. Diese Steintreppe war im Ganzen zu steil für den Kraxler. Die Grenzen der Physik gelten auch für einen solchen Extremsportler. Senkrecht die Wand rauf geht mit einem Landfahrzeug nicht. Aber er gibt nicht auf. Es folgten diverse Überschläge, die das Fahrzeug ohne jegliche Verletzung überstand. Unten wieder angekommen ging es, wie Don Quijote gegen die Windmühlen,  wieder in die Felsen. Von Versuch zu Versuch ging es weiter hinauf. Aber es ging nie ganz. Irgendwann sind auch 79 mm Bauchfreiheit zu wenig und das Verteilergetriebe liegt auf. Dann greifen auch die besten Reifen nicht mehr. Ein Rückzug kam jedoch nicht in Betracht. Der Akku gab das Signal zum Abbruch. Hier zeigte sich auch ein Minus der Antriebseinheit. Der Crawler bleibt am Hang nicht von alle stehen. Er rollt immer wieder talwärts. Somit ist ein feinfühliges Rangieren, was gerade beim Wettbewerb gefragt ist, nur schwer möglich. Hier können spezielle Crawlermotoren und/oder entsprechende Fahrregler für Abhilfe sorgen. Dem Spaß hat dieser Umstand keinen Abbruch getan.

Die Unkompliziertheit des AX10 veranlasste mich dazu den 4x4 mit in die schottischen Highlands zu nehmen. Hier konnte ich an verschiedensten Stellen dem Spieltrieb freien Lauf lassen. Ob nun im Geröll der Flüsse oder in den Felsen am Strand. Der Skorpion fühlte sich überall zu Hause.

 

Fazit: Der AX10 Scorpion RTR ist ein echtes Spaßmobil. Das ideale Fahrzeug um günstig und schnell in schwierigstes Gelände einzutauchen. Dabei bleibt aber auch die Option zum schnellen Fahren und spektakulären Stunts. Zum Wettbewerbsfahrzeug fehlt der feinfühlige Antrieb. Eine solide Grundlage ist auf jeden Fall gelegt.

er gibt niemals auf

K800_Skorpiona im River Speen K800_Glen Affric

 

 

 

K800_Felsen am Strand von Arisaig

Technische Daten

Fahrzeug:                                                          AX10 Scorpion RTR

Maßstab:                                                          1:10

Klasse:                                                             Rock-Crawler

Länge:  mm                                                      450

Breite:   mm                                                      254

Radstand:         mm                                          304 – 320

Spurweite vorne:            mm                              198

Spurweite hinten:           mm                              198

Reifendurchmesser vorne:           mm                  132

Reifendurchmesser hinten:          mm                  132

Reifendurchmesser innen:           mm                  57         2,2“

Reifenbreite vorne:          mm                              56

Reifenbreite hinten:        mm                              56

Gewichtsverteilung v/h:   %                               50 / 50


Die Konstruktion

Vorderachsaufhängung:                                    3 - Link, zwei Längslenker, ein Dreieckslenker

Chassis:                                                           Aluminium Rahmen, Getriebe als tragendes Element

Hinterachsaufhängung:                                      3 - Link, zwei Längslenker, ein Dreieckslenker

Kupplung:

Differential:                                                      optional vorne Metallzahnräder, hinten nein

 

Ausstattung

Fernsteuerung:                                                  Pistolensteuerung, zwei Kanal

Motor:                                                             27 Turns 540er Bauart

Servo:                                                              Hi-Torque Standard Größe

Tank:                                                               Akku 7,2V

Gewicht:           g                                             1588g Werksangabe

Vertrieb:                                                          Robitronic, Güntherstr. 11, A – 1150 Wien

Bezugsquelle:                                                   Handel / Internet


 
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