IG Modell-Truck-Trial

05. September 2010
Kalifornischer Schleicher „Copperhead“ PDF Drucken E-Mail
  

 

Ein kleiner Ausflug in in die Welt der Crawler.

Die kalifornische Crawlerschmiede RC4WD hat sich auch iDie Schlange im Wasserfalln den Niedrigpreissektor vorgewagt. Für ganz knappe 300$ plus Versand erhält man einen vormontierten 4x4 der fürs Grobe gerüstet zu sein scheint. Die Kalifornier bieten drei unterschiedliche Fahrzeuge zu diesem Preis an. Zum Test steht an der Copperhead. Die Copperhead, der deutsche Name lautet Mokassinschlange,  ist in Mexiko und Costa Rica eine berüchtigte Schlangenart, der mehrere Todesfälle zugerechnet werden. Ob unser Copperhead auch bissig ist, oder nur friedlich dahin schleicht möchte ich hier testen.

 

Nach knappen zwei Wochen Lieferzeit stand der ARTR in meinem Zuhause.

Etwas verwundert war ich der Tatsache, dass der Ami aus Hong Kong angereist kam. Es zeigt sich also, dass RC4WD in diesem Preissegment auch auf die asiatischen Niedriglöhne zurückgreift. Sei es drum, dass ist leider zwischenzeitlich so Usus.

 

 

 

Alle Schrauben nachziehen
Nachdem ich mit anderen Produkten schlechte Erfahrung mit den Ausdünstungen der Reifen gemacht hatte habe ich den Karton vorsichtshalber an der frischen Luft geöffnet. Doch diese Vorsichtsmaßnahme stellte sich als unnötig heraus. Der Gummi der 140 mm großen Reifen riecht nicht.

 

 

 

k800_img_5321

A         almost           fast

R          ready           fertig

T          to                 zum

R          run               fahren 

Ein fast fahrfertiges „rollendes Chassis“ steht hier also zum Test. Es ist so ein Zwischending von Baukasten und „Akku rein und los“. Dem Modellbauer bleibt also die Qual der Wahl nach den elektronischen Komponenten.

stabiles VerteilergetriebeIch vertraue hier wieder auf Bauteile, die sich bereits am Trailfinder von RC4WD bewährt haben. Als Motor fiel meine Wahl auf einen 380er Motor mit Reduziergetriebe von Rockracing. Als Fahrregler steht der T20 von Servonaut wieder im Lastenheft und als Lenkservo verrichtet ein BMS-660 von Bluebird mit 13 kg Stellkraft seinen Dienst. Als Energiequelle dient ein 7,2 V Racestick.

Alle benötigten Komponenten liegen somit auf dem Tisch. Was noch fehlt ist ein wenig Werkzeug. Wie beim Trailfinder gilt: keine Angst vor zölligen Abmessungen. Alle Schraubverbindungen sind metrisch und überwiegend mit Imbusschrauben versehen.

 

 

k800_img_5347Ich gehöre zu den Modellbauern, die alles direkt anfassen müssen. (Einige Modellbaufreunde können ein Lied davon singen, weil Verbindungen danach verstärkt werden mussten) Hier kann man aber getrost anfassen. Das „Tube Chassis“, also der Stahlrohrrahmen, bietet ein stabiles Rückgrad für die Schlange. Er ist im WIG (engl. TIG) Schweißverfahren gefertigt.  An diesem Rohrrahmen sind an Aluminiumlängslenkern in Verbindung mit Schräglenkern die beiden Achsen geführt. Die Federung übernehmen hochwertige Stoßdämpfer mit doppelten Schraubenfedern. Die Federkennung lässt sich am Rändelrad direkt am jeweiligen Stoßdämpfer um 12 mm verändern. Jeweils vier Aufnahmepunkte am Rahmen lassen Platz für verschiedene Abstimmungen des Fahrwerkes. Die erste Kontaktaufnahme zeigt neben dem stabilen Stahlrahmen aber auch, dass alle Schrauben nachgezogen werden müssen. Die Schrauben sind an ihrem Platz aber noch nicht endgültig fixiert. k800_img_5429

Die weitere Durchsicht des Fahrzeuges bringt mehr Details. Auffällig sind die kräftig dimensionierten Kardanwellen. Diese 14 mm dicken Gelenke wirft so schnell nix aus der Bahn. Die Sternverzahnung des Schiebeelementes sorgt für Kraftschluss bei ausreichend Schiebefläche, auch wenn das Spiel im Schiebebereich etwas geringer sein könnte. Die Kardanwellen „schlackern“ etwas, wenn man sie seitwärts bewegt. Tut dem ganzen aber keinen Abbruch, da die Drehzahl erwartungsgemäß gering ausfallen sollte. Diesen Punkt gibt es auch beim Beugewinkel der Kardanwelle vorne zu beachten. Die 45° Beugewinkel, die man einem Einfachgelenk gemeinhin zutraut sind hier annähernd erreicht. Dem entsprechend unwillig drehen sich die Gelenke. Da die Höchstgeschwindigkeit eher gering einzuordnen ist, kann dieser Fakt hinten anstehen.

k800_img_5668

Kommen wir zu den Achsen. Die Achsgehäuse der T-Rex 60 sind aus Kunststoff und scale aufgebaut. Die Kalifornier empfehlen auf ihrer Webseite für den Wettbewerb den Wechsel zu Aluminiumachsen. Ich meine, diese Achsen erstmal verschleißen und dann sieht man weiter. Das Innenleben macht nämlich einen stabilen Eindruck und ist komplett kugelgelagert.

 

K800_IMG_5645


Beim Öffnen des Achsdeckels zeigt sich das eigentliche Problem des Kunststoffes. Auch hier werden metrische Schrauben verbaut. Das Gewinde kann im Kunststoff schneller ausfransen. Da aber reichlich Schrauben den Deckel an der Achse halten sehe ich auch hier kaum Schwierigkeiten, sollte mal eine Schraube nicht mehr 100% halten.

k800_img_5656Wie oben bereits erwähnt steht die Schlange auf vier fetten 140 mm großen Gummipfoten, die auf BL41 Beadlock-Felgen aus Kunststoff aufgezogen sind. Der Gummi ist recht weich und zeigt viel Gripp. Das „Kneten“ der Reifen  hinterlässt keine Dellen. Die Reifen kommen dank spezieller Einlagen immer wieder in ihren Urzustand zurück. Der positive Eindruck vom Öffnen des Kartons wird hier weiter bestätigt.

Die Inspektion des Fahrzeuges ist somit erstmal abgeschlossen. Es kommt der Moment der Endmontage. Motor und Getriebe sollen zusammenwachsen. Um diese Verbindung eingehen zu können bedarf es der Demontage des Getriebes, da der Motor hinten angeschraubt wird. Dazu muss das stabile Gleitblech entfernt werden. Vier Kreuzschlitzschrauben M4 halten dieses Blech unterm Rahmen. Die Demontage ist kein Hexenwerk. Das Getriebe ist dann mit vier Schrauben an der Bodenwanne verschraubt. Kurz gelöst lässt sich das Verteilergetriebe entfernen. Die Kardangelenke fallen einfach nach unten raus. Das Getriebe ist ohne Schaltung aufgebaut. Das passende Zweiganggetriebe ist aus dem Trailfinder bekannt und ließe sich auch hier verbauen.

K800_IMG_5447Motor und Getriebe werden, wie gewohnt, mit zwei Schrauben fixiert. Der Widereinbau erfolgt in umgekehrter Reinfolge. Etwas fummelig ist das Zusammenführen der Kardanwellen. Wenn alles wieder an seinem Platz ist wieder mit den Schrauben sichern und das Gleitblech unter dem 4x4 verschrauben. So montiert entsteht eine absolut plane Fläche, die über alle Widrigkeiten hinwegrutschen sollte. Neben der Motorgetriebeeinheit findet der Empfänger seinen Platz. Der Fahrregler wird auf der „Hutablage“ festgezurrt.

Der Servo findet seinen Platz direkt auf der Achse. So soll es sein. Und so entfallen Lenkeinflüsse beim Einfedern. Alles hat seinen Platz gefunden. Wohin jetzt mit dem Racepack? Ein kleiner, feiner Lipo-Akku würde auf dem Servo auf der Vorderachse seinen Platz finden. Für den 7,2 V Akku in Standardbauweise reicht der Platz zwischen den Vorderrädern leider nicht. Es bleibt nur der Raum, wo eigentlich der Fahrer seinen Platz finden sollte. Er liegt somit etwas hoch und die Optik ist hierdurch etwas gestört. Doch Schönheit gehört nun nicht in erster Linie ins Lastenheft des Kupferkopfes. Wobei auch die Nacktheit der Technik ihren absoluten Reiz hat. Nach dem Einbau der Komponenten fehlt nur noch die Lackierung. Na ja, viel ist es nicht was lackiert werden muss. Lediglich zwei kleine Lexanteile, eins als Dach und eins vorne als Abdeckung, bedürfen der farblichen Gestaltung. Meine Truckfarbe ist blau und somit wurde der Pinsel einmal kurz in Farbe getunkt und rückseitig lackiert. Noch zwei, drei Werbeaufkleber und fertig. Wenn alles beisammen ist und sich der Modellbauer dran hält ist der Crawler schneller fahrbereit als die Farbe trocknet.

Nun kann es losgehen. Die Schlange sucht ihre Beute. Beute in Form von Felsen, die bewältigt werden wollen.

k800_img_5475Der erste Fahreindruck. Nun, mit dieser Motorgetriebevariation kräftig aber wahrlich nicht schnell. Wenn die Reifen halten, was sie versprechen, dann reicht die Kraft und muss nicht durch Schwung ersetzt werden. Das erste Opfer: eine Treppe vor der Haustür. Mit ein wenig Übung kein Problem. Das Ding geht richtig gut. Die Reifen haben wirklich gut Gripp. Es muss also eine richtige Herausforderung her. Wo findet man im Rheinland Felsen? Nicht ganz einfach diese Aufgabe, die auch zeigt, dass bei der Wahl eines Modells auch die örtlichen Gegebenheiten mit in die Entscheidung einfließen sollten. Die Felsen wurden in Form von Findlingen auch gefunden. Hier konnte die Schlange zeigen, was sie kann. Auf engstem Raum konnte getestet werden. 100 % Steigung sind bei trockenem und griffigem Untergrund wahrlich kein Problem. Die Reifen verkleben förmlich mit dem Stein. Ein Ende ist erst in Sicht, sobald die Bodenfreiheit von  mehr als 60 mm aufgebraucht ist und somit der Vortrieb abreißt. Nun hat nicht jeder einen Felsenpark vor der Tür also bedurfte es weiterer Testgelände. Am Nordpark in Mönchengladbach fand sich ein Schutthügel den es zu bewältigen galt. Die losen Bruchstücke haben ihr Eigenleben und verschieben sich immer wieder. Doch auch hier machte die Schlange einen guten Eindruck Es zeigte sich hier aber auch ein Manko in der Lenkung. Der Wendekreis entspricht eher einem Ozeandampfer. Weiter ging es durch Mönchengladbach auf der Suche anspruchsvollem Gelände. Auf einer BMX-Strecke im Wald durfte der Rockcrawler über Mutterboden schleichen. Die Reifen sind hierfür nicht wirklich bestimmt, das Profil ist zu flach. Trotz dieses Mankos schlug sich der Copperhead auch hier gut. Solange Gripp vorhanden ist geht es immer weiter. Der ein oder andere Überschlag zeigte aber auch, dass am Schwerpunkt noch zu arbeiten ist. Vorne ist der Kalifornier zu leicht. Der Stahlrahmen hat aber allen Schaden von den elektronischen Komponenten abgehalten. Lediglich das Lexandach hat einen Aufschlag auf einem Stein mit Rissen quittiert. Aber das ist nur Optik und hindert nicht beim Fahren. Die Sektion „Wasserdurchfahrt“ wurde an einem Lavasteinbrunnen absolviert.

Die Lavasteine gehören zum natürlichen Umfeld. Wasser ist eher nicht das Zuhause. Es wirkt als Schmierstoff, der den Vortrieb unterbindet. Es bietet aber damit einen zusätzlichen Reiz.

 

K800_IMG_5657

 

Zusammengefasst.

Der Copperhead von RC4WD ist ein schnell einsatzfähiges rollendes Chassis. Elektronische Komponenten sind nicht enthalten und somit frei wählbar. Die Verarbeitung ist gut und hochwertig. Lediglich die Achsgehäuse und die Felgen sind aus Kunststoff. Im felsigen Gelände spielt der 4 x 4 den Vorteil der griffigen Bereifung aus. Auch in anderem Gelände schlägt sich der Crawler gut. Wenn das  Gelände anspruchsvoll ist, läuft der Copperhead zur Höchstform auf.


Abmessungen:

Länge:                          17,5″               445 mm

Breite:                          10″                  254 mm
Höhe:                           6″                    152 mm
Radstand:                     12,5″               317 mm
Bodenfreiheit:                2,5″                 635 mm

K800_IMG_5671

altK800_IMG_5669
K800_IMG_5664
 
Copyright © 2010 IG Modell-Truck-Trial. Alle Rechte vorbehalten.